Pädagogisches Konzept

In unserem Waldkindergarten "Poinger Wurzelkinder e.V." ist es uns ein Anliegen, einen geschützten und alle Sinne ansprechenden Entfaltungsraum für die verschiedenen Persönlichkeitsbereiche unserer Kinder zu bieten. 

Es ist wichtig, dass sich unsere Kinder in allen ihren Facetten frei entfalten dürfen, um stabile und selbständige Persönlichkeiten zu werden, welche sich den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen zeigen, ohne unter den Erwartungen und Forderungen der Gesellschaft zu leiden. In der Umgebung des Waldkindergartens kann eine ganzheitliche Erziehung besonders gut verwirklicht werden. Wir verstehen unser Angebot als Alternative oder eben auch Ergänzung zum Regelangebot, welches uns Politik und Gesellschaft machen.

 

Unser Kindergarten arbeitet nach dem Naturpädagogischen Ansatz. Dieser legt großen Wert auf Naturerfahrungen und das Freispiel. Wichtig ist uns eben nicht nur die Aneignung von theoretischem Wissen über die Natur, sondern insbesondere die eigene, am eigenen Körper gemachte Erfahrung mit und in der Natur.

 

Folgende Aspekte sind uns in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern im Einzelnen wichtig:

 

Unsere Kinder sollen Kinder sein dürfen.

Sie brauchen Raum, um sich zu bewegen; Raum, um frei zu spielen. Raum, ihre Gefühle wertungsfrei ausleben zu können und Raum, sich ganz in ihrem eigenen Tempo und nach ihren eigenen Veranlagungen entwicklen zu können. Sie sollen sich nach Herzenslust jederzeit bewegen können.

 

Das Freispiel 

Bei der Entwicklung und Förderung der kindlichen Phantasie und Kreativität kommt dem freien Spiel ohne vorgegebene Spielsachen eine große Bedeutung zu. So lernen Kinder, ihre tatsächlichen Wünsche und Bedürfnisse selbst zu erkennen, lernen aber auch, die Bedürfnisse der Anderen wahrzunehmen und zu respektieren. 

Die ruhige Umgebung ohne unnatürliche Reizüberflutung bietet die Chance, innere Kräfte und Bedürfnisse zu erspüren und zu erproben. Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit und lernen, ihre Grenzen, aber auch ihre Stärken und Fortschritte, einzuschätzen. 

 

Achtsamkeit und Förderung von Sozial-emotionalen Kompetenzen

Zudem herrscht im Wald, unabhängig vom Wetter, eine ruhige Atmosphäre und ein deutlich geringerer Lärmpegel als in geschlossenen und oftmals engen Räumen. Die Kinder dürfen Weite und Stille erleben. Die Ruhe senkt den Stresspegel bei Kindern und Erziehern, lässt eine allgemeine Differenzierung des Wahrnehmungsvermögens zu und lässt sie Stabilität durch innere Ruhe (innere Ruhe durch äußere Ruhe) finden. Dies wirkt sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und das Allgemeinbefinden aus. 

Die Umgebung des Waldes, ohne einengende Wände, hilft, dass sich viele Aggressionen nicht so aufbauen, sondern in angemessener Weise konstruktiv umgewandelt werden können. Durch die kleine Gruppe und unser sehr aufmerksames und einfühlsames pädagogisches Personal können entstehende Konflikte gut gelöst und bearbeitet werden. Dies hilft den Kindern, ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln. 

 

Naturerlebnisse und Vermittlung von Naturwissen 

Das unmittelbare Erleben der Natur und ihrer Kreisläufe, der Witterung und der Anforderungen, welches das Leben in dieser Umgebung an die Kinder stellt, lässt sie im wahrsten Sinne des Wortes "begreifen". Sie lernen einen achtsamen Umgang mit sich selbst und den Lebewesen der Natur. All diese Erfahrung aus erste Hand anstelle von "Projektionen" geben den Kindern emotionale Stabilität und ein gutes Selbstwertgefühl.  

Andererseits können die Kinder in der freien Natur eher die Notwendigkeit von Regeln und Geboten erfahren. Denn insbesondere das unmittelbaren Erleben von möglichen Folgen, lässt sie den Sinn von Regeln erkennen und diese nachvollziehen.  Aus diesem Grund ist es möglich, Regeln im Wald auf ein Mindestmaß zu reduzieren. 

 

Situatives Arbeiten 

Die Kinder bekommen von unserem sehr aufmerksamen und engagierten pädagogischen Personal Anreize, wo sie nötig sind, jedoch auch viel Freiraum, in dem sie sich selbst organisieren können und selbstwirksam sein können.

Es gibt regelmäßig Projekte zu verschiedenen Themen. Aber es werden insbesondere auch entstehende Situationen und Interessen aufgegriffen und be- und verarbeitet. (Bsp.- das Feld am Waldrand wird gemäht- die Kinder sehen die Körner aus dem Getreide. Gemeinsam sammeln sie einige Körner ein und mahlen sie von Hand zwischen den Steinen zu Mehl. Aus dem Mehl wird ein Teig gerührt und kann Brot gebacken werden.)

 

Zuletzt sollen auch die positiven Auswirkungen auf gesundheitliche Aspekte nicht unerwähnt bleiben. Der tägliche längere Aufenthalt im Freien, die viele Bewegung sowie die ruhige Umgebung, stärken das Immunsystem. Auch werden Infektionskrankheiten, die vermehrt in geschlossenen und oft überheizten  Räumen übertragen werden, weniger weitergegeben.

Bei den Kindern ist zudem eine deutliche Zunahme an Ausdauer und Kraft, an Selbstvertrauen und Sicherheit zu verzeichnen , wenn sie z.B. auf dem unebenen Waldboden rennen und hüpfen, wenn sie auf Bäume klettern, an Ästen hangeln oder auf umgestürzten Bäumen und Wurzeln balancieren. 

Auch legen wir Wert darauf, dass Ausflüge, soweit es geht, zu Fuß gemacht werden, sodass die Kinder lernen, auch größere Strecken selbst zu bewältigen. Es ist wunderbar, den Stolz, der ein Kind erfüllt, das eine körperliche Herausforderung gemeistert hat, zu sehen. Dieser Stolz ist die Basis von Motivation und Leistungsfähigkeit und kann nur durch das Kind selbst erarbeitet werden. 

 

So bietet unser Waldkindergarten  eine geschützte Umgebung, von der aus die Kinder ihre Umwelt anschaulich und lebensnah erfahren dürfen. Geborgen und sicher können die Kinder sich selbst und ihre Umwelt erforschen und ihre Kreativität und Entdeckerlust ausleben. Sie können "einfach Kinder sein".

 

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Pädagogisches Konzept 04/2018
Konzeption der Poinger Wurzelkinder.pdf
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